Narrenzunft Feuerbach e.V.
Narrenzunft Feuerbach e.V.

Historische Grundlagen der Fastnacht

Fastnacht entstand im ausgehenden Mittelalter als Gegensatz zur anschließenden gottgefälligen Fastenzeit. In der Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern bereitet sich die christliche Gemeinde durch Gebete und Verzicht auf fleischliche Genüsse auf das Kar-Wunder und die Auferstehung Christi vor. Als drastischen Gegensatz zur Herrschaft Gottes wurden in kirchlichen Fastnachtsspielen und Prozessionen des 15. bis 18. Jahrhunderts Teufel, Narren und personifizierte Laster dargestellt. Hauptfigur der Fastnacht wurde der Narr als Gottesleugner. Die Figur des Narren entwickelte sich zwischen 1200 und 1500 aus Psalm 52, der mit dem Satz beginnt: "Der Narr sprach in seinem Herzen: „Es gibt keinen Gott!“ Während der Fastnacht war es den Menschen erlaubt in Rollen zu schlüpfen, die den christlichen Normen widersprachen.

Durch die demonstrative Abkehr vom sündhaften Treiben und den Empfang des Aschekreuzes am Aschermittwochmorgen konnten die Teilnehmer der Fastnacht dennoch an der Erlösung teilhaben.

(Text : M. Paysan)

Feuerbach hat zwar aufgrund seiner jahrhundertelangen evangelischen Prägung keine lange Fastnachtstradition, dennoch orientieren sich die Maskengruppen der Narrenzunft Feuerbach an der schwäbisch-alemannischen Fastnacht deren Wurzeln in der christlichen Fastnachts- und Narrenidee des ausgehenden Mittelalters liegen. (Mezger 1991)

In kirchlichen Fastnachtsspielen des 15. –18. Jahrhunderts wurde eine unselige Gegenwelt zu der anschließenden reinen und keuschen Fastenzeit dargestellt. Während der Fastenzeit bereitete sich die christliche Gemeinde durch den Verzicht auf bestimmte Speisen und die Enthaltsamkeit von fleischlichen Genüssen sowie durch Buße und das Verteilen von Almosen auf das Wunder der Karwoche mit der Auferstehung Christi vor.

Während der Fastenzeit verbotene Speisen waren Fleisch und Produkte von warmblütigen Tieren, Milchspeisen und Eier. Zu den fleischlichen Genüssen zählte nicht nur die fleischliche Nahrung sondern auch Hochzeiten, Erotik, Tanzveranstaltungen, und Musikvergnügen.

 

In der unseligen Fastnacht wurden Gestalten dargestellt, die außerhalb der christlichen Gemeinschaft standen. Die Akteure schlüpften in Rollen, die den christlichen Normen widersprachen. Durch die demonstrative Abkehr vom sündhaften Treiben und den Empfang des Aschekreuzes zum Beginn der Fastenzeit am Aschermittwochmorgen konnten die Teilnehmer der Fastnacht doch noch an der Erlösung teilhaben.

 

Eine Illustration aus dem 18. Jahrhundert zeigt einen fastnächtlichen Schembartlauf in Nürnberg mit Figuren, die sich die Feuerbacher Narren zum Vorbild genommen haben. (Schembartbuch der Berliner Staatsbibliothek, SPS, Ms.Germ. Fol. 491, 142r, abgebildet in: Moser 1986: S. 205 ff und in Metzger 1991: S. 116)

Im Zentrum der Szene steht ein mit Fell und Ziegenhörnern ausgestatteter Teufel, der einen Narren in die "Hölle" zieht.

Begleitet werden Teufel und Narr von ‘Wilden Leuten‘. Nach mittelalterlicher Überlieferung hausten ‘Wilde Leute‘ im Wald und standen durch ihr ungezügeltes Verhalten im Gegensatz zur verfeinerten Lebensart der städtischen Gesellschaft. Auf Chorgestühlen und als Kerzenhalter wurden in Rankenwerk verstrickte ‘Wilde Männer‘ dargestellt. Sie sind unfreiwillig in ihrer Wildheit gefangen und stehen für die Sehnsucht nach der Erlösung. (Lexikon der Christlichen Ikonographie 1968: S. 531) In manchen Sagen und Märchen wird die Hauptperson in einen ‘Wilden Mann‘ verwünscht, der dann später erlöst und in einem besseren Menschen zurück verwandelt wird.

 

Die typische Gestalt des (Hof-) Narren um 1500 mit rot-gelbem oder eselsgrauem Gewand, Schellen, Eselsohren, Hahnenkamm und Marotte hat sich ab 1200 aus Illustrationen zu Psalm 52 entwickelt, der mit dem Satz beginnt: "Der Narr sprach in seinem Herzen: „Es gibt keinen Gott!“ " Auf diesen Illustrationen wurde der Narr als Gottesleugner meist als Gegentypus zu dem weisen und gottgläubigen König David dargestellt. (Metzger: S. 75ff). Die Schellen des Narren sind ein lautes Gegenstück zu den feinen Glöckchen am Saum der Königsrobe. Ihre Bedeutung als Zeichen mangelnder Nächstenliebe und damit der Gottesferne erhalten sie durch das Paulus-Wort in 1 Korinther 13,1: „Wenn ich mit Menschen- und Engelszungen redete, hätte aber die Liebe (=caritas) nicht, so wäre ich wie ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.“ Dieser Satz wurde über 1000 Jahre lang bei der Messe des Fastnachtssonntags in der Lesung vorgetragen und häufig auch in der Predigt behandelt. Dadurch hatte er sicherlich einen Anteil an der weiten Verbreitung der Schellen in der Fastnacht, auch wenn bei den meisten Narren die Freude am Lärmen im Vordergrund steht. (Mezger 1991: S. 220-223)

Zur Ausstattung der Narren gehört auch der Fuchsschwanz. Der Fuchs ist zum einen ein Symbol des Teufels und zum anderen steht er für das Laster der „Gula“ der Unmäßigkeit (Mezger 1991: S. 117).

 

Verwendete Literatur:

Lexikon der Christlichen Ikonographie , Engelbert Kirschbaum SJ (Hrsg.), Herder Verlag; Rom Freiburg Basel Wien Band 1 (1968): S. 531
 

Mezger, Werner
Narrenidee und Fastnachtsbrauch: Studien zum Fortleben des Mittelalters in der europäischen Festkultur, Konstanzer Bibliothek Band 15, Univ.ersitäts-Verlag Konstanz, Konstanz (1991)

 

Moser, Dietz-Rüdiger.
Fastnacht-Fasching-Karneval: Das Fest der „Verkehrten Welt“ 1. Aufl.Verlag Styria (Edition Kaleidoskop), Graz Wien Köln (1986): S. 205 ff

 

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