Narrenzunft Feuerbach e.V.
Narrenzunft Feuerbach e.V.

Die Feuerbacher Waschweiber

Auch wenn Feuerbach nicht wie Botnang das Wäscherdorf von Stuttgart war, so waren die Feuerbacher doch schon immer ein sauberes Völkchen, das sein Sach in Ordnung hielt. Die Feuerbacher Waschweiber erinnern an die mühsame Arbeit der Wäscherinnen vor Erfindung der Waschmaschine. Ihre Hauptfarben sind passend zum Schaffle in Blau und Weiß gehalten.

 

 

Historischer Hintergrund der Feuerbacher Waschweiber:

(Text: Betty Orschessek, Moritz Paysan)

Auch wenn Feuerbach nicht wie Botnang das Wäscherdorf von Stuttgart war, so waren die Feuerbacher doch schon immer ein sauberes Völkchen. Daher mussten auch hier regelmäßig Kleidung, Bettlaken und Tischwäsche gewaschen und geglättet werden. Als Ergänzung zum Schaffle und zur Erinnerung an die mühsame Arbeit der Wäscherinnen wurden 2003 die Waschweiber als eigene Gilde in die Zunft aufgenommen. Ihre Hauptfarben sind passend zum Schaffle in Blau und Weiß gehalten. Das Weiß steht für die Reinheit der Wäsche während das Blau an das sogenannte Waschblau erinnert, mit dem bei jedem Waschgang auch weiße Textilien ganz leicht nachgefärbt wurden. Dadurch wirkte vergilbte Wäsche nicht mehr schmutzig Gelb sondern erstrahlte in frischem Weiß, auch wenn sie eigentlich leicht Grau war.

 

Das Häs:

Das Waschweiber-Häs mit Rüschen-Bluse, Weste, weitem Rock, karierter Schürze, und Spitzenhaube bzw. Wittwe Bolte Kopftuch entstand in Anlehnung an die funktionale und schlichte Kleidung einfacher Frauen des ausgehenden 19. Jahrhunderts. (Abbildungen dazu in: Hagel 1991: S. 64/65, 69, 82, 97) Ein Hingucker sind die Reformbeinkleider, deren weiße Spitzen kess unter dem gerafften Rock hervor blitzen (http://www.cityinfonetz.de/das.magazin/2002/34/artikel6.html, )Schirm und Jacke schützen gegen Kälte und Regen. Schwarze Lederschuhe, Zinkeimer für die Utensilien und ein Waschbrett als Lärminstrument vervollständigen das Häs.

 

Waschtag in Feuerbach:

In früheren Jahrhunderten, als die Häuser noch nicht über fließend Wasser verfügten, wurde die Wäsche noch direkt auf großen Steinen im Bach geschruppt oder es gab überdachte Waschhäuschen am Bach. (Der NZ-Feuerbach liegen aus dieser Zeit allerdings keine Belege vor, wie im Ort gewaschen wurde. Vergleiche dazu: http://www.freilichtmuseum-beuren.de/objekte/waschhaus.htm, http://www.weissach.de/galerie/galerie-87.htm)

Um 1880 war der Feuerbach durch die Abwässer aus Industrie und Haushalte bereits so verschmutzt, dass darin sicherlich keine Wäsche mehr sauber wurde. (Hagel 1991: S. 133-136) Zur Deckung des Feuerbacher Wasserbedarfes wurde 1895 ein eigenes Wasserwerk eingeweiht. Es stand zwischen Münster und Mühlhausen und pumpte Grundwasser aus dem Neckartal über eine Leitung nach Feuerbach. Bis dahin standen für die Versorgung der Bevölkerung und des Viehs sowie für die industriellen Betriebe nur einige Pump- und Laufbrunnen im Ort sowie einige Fabrikbrunnen zur Verfügung. 1911 trat Feuerbach der Landeswasserversorgung bei. (Hagel 1991: S. 122,124-127)

Mit dem Anschluss der Häuser an die öffentliche Wasserversorgung wurde es üblich Waschküchen im Keller einzurichten. In Mehrfamilienhäusern wechselte das Nutzungsrecht für die Waschküche in regelmäßigem Turnus von Wohnung zu Wohnung, so wie heute noch die Kehrwoche von Partie zu Partie weitergegeben wird.

Durch die Wandlung Feuerbachs vom Bauerndorf zum Industriestandort bestand sicherlich schon im ausgehenden 19. Jh. Bedarf an professionellen Wäschereien, in denen Waschfrauen gegen Lohn Textilien wuschen, mangelten und flickten.

Ob im Privathaus oder in der Wäscherei - Waschen war bis zur Erfindung der Waschmaschine eine langwierige, mühselige und anstrengende Arbeit, die meist von Frauen verrichtet wurde. Die große Wäsche dauerte den ganzen Tag. Die Wäsche wurde in großen holzgeheizten Zubern mit Seifenlauge gekocht und von Hand auf Waschbrettern geschruppt, um die Flecken loszuwerden. Aus der kochenden Waschbrühe stieg ständig heißer Dampf auf, der den schwer arbeitenden Wäscherinnen den Schweiß auf die Haut trieb. Nach dem Trocknen auf der Leine wurde die Wäsche noch gemangelt oder mit kohlegeheizten gußeisernen Bügeleisen geglättet. (Waschutensilien aus der Region sind z. B. im Heimatmuseum Münchingen ausgestellt: http://www.korntal-muenchingen.de/,Lde/start/Kultur+und+Bildung/Kueche+und+Haushalt.html Zum trocken halten der Füße wurden Holzschuhe getragen, die übrige Kleidung war weit und leicht, mit hochgeschlagenen Ärmeln, da die Hände ständig nass waren.

 

Klatsch und Tratsch:

Eine derartige Arbeit ging am besten von der Hand wenn sie gemeinsam erledigt wurde. Im öffentlichen Waschhäusle (wenn es denn in Feuerbach je eines gab) oder in den Wäschereien  arbeiteten mehrere Frauen gleichzeitig. Da die Arbeit langwierig und monoton war, hatten die Waschfrauen nebenher den Kopf frei, um sich zu unterhalten und den neuesten Klatsch des Ortes durchzukauen. Das dabei nicht nur Hemden und Hosen übers Waschbrett geschruppt, sondern auch die Nachbarschaft durch den Kakao gezogen wurde, lässt sich gut vorstellen. Schließlich blieb auf der weißen Wäsche kein „Schand“-Fleck unentdeckt . Manch ein Grasfleck mag zu peinlichen Gerüchten geführt haben.

Daß jedoch schon die Vorbereitung der großen Wäsche für Tratsch sorgen konnte, beschrieb Eugen Geiger (S. 114/115) folgendermaßen:

Die Profitliche

Aushausig war die „ga’skraget Lisabeth‘, wie eine gewisse Frau Maier in der Botnanger Straße genannt wurde, ganz gewiß nicht. Im Gegenteil, selbst ihr größter Feind musste zugeben, daß sie äußerst sparsam war. Nur daß sie gar zu gern auf Kosten anderer ihren Geldbeutel schonte, das gefiel ihren Nachbarn nicht sonderlich und brachte sie in den Geruch der Profitmichelei und mit anderen drolligen Stückchen in der Feuerbacher Mund. Auch das folgende Stückchen soll sie sich geleistet haben.

Sie kam eines Tages zu ihrer Nachbarin mit folgenden Worten: „Gotte‘ Morge‘ Frau Berger, leihet se me’r ao Ihr Sôefe‘ e‘ bißle zua meiner Wäsch! I verderb En gwiß nex dra‘. Se därfat nô de’rfür am Sonntich Ihr Flôesch en mei’m Kraut koche‘.“

Da war sie aber an die Letzte gekommen; denn die allso Angeredete entgegnete ihr in aller Seelenruhe: „So moenet Se, Frau Maier? Dees isch sô gar z’guat ausdenkt von Ehne; aber i ka’s wirklich net a’nemme‘. Wisset se, mir isch mei‘ Maul no fuserig von dem fette‘ Pfanne’kuache‘,  mô Se me’r gä hent wölle‘ für dia vertlehnt Flädlespfanne‘, den e aber heut no z’kriage‘ hätt. Desde’wege‘ wöllet me’r mei‚ Sôef liaber bei mir em Kuchekäschtle lasse‘, daß se guat austrücknet, bis i e‘ Wäsch hao‘. Ond mei Flôesch schteck e am Sonntich en mei‘ Kraut. Wisset Se, i hao’ao gern e fette‘ Gosch. Nex für o’guat, Frau Maier! I muaß meine Heaner fuadere‘.“

Damit war der Angriff der profitlichen Lisabeth auf Frau Bergers Seife abgeschlagen; und die Weiber von der Botnanger Straße hatten einander etwas Neues zu erzählen und lachten schadenfroh über die hereingefallene Nachbarin.

 

Verwendete Literatur:

Geiger, Eugen

Was in Feuerbach die Amseln pfeifen, Faksimilie 1999 Paul Zielfleisch GmbH, E. Webers Buchdruckerei, Stuttgart Feuerbach (1936): S. 114/115

Hagel, Jürgen

Vom Weinbaudorf zum Industriestandort: Die Entwicklung Feuerbachs von 1850 bis zum ersten Weltkrieg, Paul Sauer (Hrsg.), Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart Band 53, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart (1991): S. 64/65, 69, 82, 97, 122,124-127

Hier erreichen Sie uns

Narrenzunft Feuerbach
Thüringer-Wald-Str. 47
70469 Stuttgart

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Narrenzunft Feuerbach