Narrenzunft Feuerbach e.V.
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Der Feuerbacher Schaffle

Der Feuerbacher Schaffle

Der Schaffle bezieht sich auf ein Feuerbacher Original aus der Zeit um 1900, der lieber Viertele schlotzte als viel zu schaffen. Daher der Name Schaffle.

Auf seiner Weißnarren-Hose sind vorne die wichtigsten Berufe der Feuerbacher im 19. Jahrhundert abgebildet: der Wengerter und der Steinbrecher.

Hinten sind das Feuerbacher Wappentier „Biber“ und der Neckname „Talkrabb“ dargestellt

Historischer Hintergrund zum Feuerbacher Schaffle

(Text : G. Farkas, M. Paysan)

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Die Narren-Figur des ‘Schaffle‘ bezieht sich auf einen in Eugen Geigers Buch „Was in Feuerbach die Amseln pfeifen“ beschriebenen Gelegenheitsarbeiter und Lebenskünstler, der im Feuerbach des 19. Jahrhunderts lebte (Geiger 1936 S. 56-65).

 

Von ihm sind manche Streiche und „Lebensweisheiten“ überliefert, die der bärenstarke und stets weinselige Schaffle von sich gegeben haben soll, weshalb ihn der Saulgauer Schnitzer Günther Wetzel auch mit knitzem Grinsen und roter Knollennase verewigte. Die Malerei auf Maskentuch und Hose wurde von der Feuerbacher Grafikerin Jutta Sailer-Paysan gestaltet.

Das erste Schaffle-Häs wurde beim Straßendapp 1997 vorgestellt.

 

Auf dem Kopf trägt der ‘Schaffle‘ einen Hut aus Filz oder Stroh (Kreissäge) (Abbildungen zu Männerhüten aus Feuerbach um 1900 in: Hagel 1991: S. 56, 59 und 60), an dem rechts und links der Stirne unter einem Zahnrad bunte Bänder flattern. Das Zahnrad erinnert an das Feuerbacher Wappen. Die Bänder haben die traditionellen Narrenfarben Rot und Gelb kombiniert mit Blau, das die Farbe des Kittels aufnimmt.

 

Der ‘Schaffle‘ trägt in Weißnarrentradition eine bunt bemalte weiße Hose, die wie bei den Treibern (Stachi) des ‘Butzesels‘ in Villingen mit einem bestickten blauen Fuhrmanns- oder Bauernkittel (Blauhemd) kombiniert ist. Die Hose zeigt auf der Vorderseite zwei der wichtigsten Feuerbacher Berufsstände des 19. Jahrhunderts:

Den Wengerter und den Steinbrecher (Um 1850 waren die Feuerbacher Steinbrüche mit 2,2 Hektar die größten Brüche im Oberamt Stuttgart (Hagel 1991: S. 14); die Reste der Steinbrüche sind heute als Tal der Rosen auf dem Killesberg zu sehen) mit ihrem typischen Handwerkszeug Weinpresse bzw. Hammer und Spitzhacke. Mögliche weitere Motive für Schafflehosen wären ein Lackmischer mit dem Eiffelturm im Hintergrund (Der Lack für den Grundanstrich des Eiffelturms wurde in Feuerbach hergestellt; (Hagel 1991: 37)) und eine melkende Bäuerin (Das vor der Industrialisierung stark bäuerliche geprägte Feuerbach lieferte Milch nach Stuttgart (Hagel 1991: 15-16)).

 

Die Rückseiten der Hose zeigen Biber und Talkrabb (Wappentier und Neckname der Feuerbächer). In Anlehnung an die Efeuranken auf den Rottweiler Narrenkleidern werden die Feuerbacher Motive von Weinranken umrahmt, die einen guten Tropfen versprechen. Schließlich trank der Schaffle lieber Wein als Hustensaft.

 

Das Geschell des ‘Schaffle‘ besteht aus zwei kreuzweise getragenen Riemen mit je 5 nach oben hin kleiner werdenden goldglänzenden Rollen (kugelförmige Glocken. Mezger 1991: S. 220-223). Auf der Rückseite des Geschells ist ein Korb oder Rucksack montiert, den der Schaffle sicher brauchte, um den Steinbrechern das Vesper zu bringen, das allerdings nie ankam... An dieselbe Geschichte erinnert auch die an einer spiralförmig geschnitzten Holzpeitsche angebundene Wurst. Mit seinem unstillbaren Hunger nach Wurst und Wein und seiner verschmitzten Maßlosigkeit „Zeme‘ isch guat, zeme‘!“ (Geiger;  1936 S. 64) ist der ‘Schaffle‘ das personifizierte Laster der Unmäßigkeit (Metzger 1991: 119-121) und fleischlichen Begierde.

 

Vervollständigt wird das Häs durch dunkle Schuhe und weiße Stoffhandschuhe.

 

Verwendete Literatur:

Geiger, Eugen

Was in Feuerbach die Amseln pfeifen, Faksimilie 1999 Paul Zielfleisch GmbH, E. Webers Buchdruckerei, Stuttgart Feuerbach (1936): S. 64

Hagel, Jürgen

Vom Weinbaudorf zum Industriestandort: Die Entwicklung Feuerbachs von 1850 bis zum ersten Weltkrieg, Paul Sauer (Hrsg.), Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart Band 53, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart (1991): S. 14-16, 37, 56, 59 und 60

Lexikon der Christlichen Ikonographie , Engelbert Kirschbaum SJ (Hrsg.), Herder Verlag; Rom Freiburg Basel Wien Band 1 (1968): S. 531
Mohr, Gerd Heinz
 Mezger, Werner
Narrenidee und Fastnachtsbrauch: Studien zum Fortleben des Mittelalters in der europäischen Festkultur, Konstanzer Bibliothek Band 15, Universitäts-Verlag Konstanz, Konstanz (1991): S. 119-121

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