Narrenzunft Feuerbach e.V.
Narrenzunft Feuerbach e.V.

Die Wolfskehlen

Die Feuerbacher Wolfskehle

Die Wolfskehlen gehören zum Typ der „Wilden Männer“, deren Fell durch Pferdeschweife und rot-gelbe Volants auf dem Häs dargestellt ist. Ihr Name bezieht sich auf eine keltische Höhensiedlung mit dem Flurnamen „Wolfskehlen“ auf dem Feuerbacher Lemberg. Dieser Teil des Lembergs heißt auch das Horn. Daher tragen alle Wolfskehlen-Masken Hörner auf der Stirn. Die eigentümlichen Geräusche der Wolfskehlen kommen von Rasseln an den Füßen, die aus afrikanischen Lianenfrüchten hergestellt sind.

 

 

Historischer Hintergrund der Feuerbacher Wolfskehlen

(Text : M. Paysan)

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Der Name der 1992 gegründeten Maskengruppe stammt von einer Höhensiedlung auf dem Feuerbacher Lemberg die von der späten Bronzezeit (um 1000 v. Chr) bis in die keltische Zeit (Späte Hallstattzeit 6./5. Jh. v. Chr) genutzt wurde (Bittel 1981: S. 479-481). Im Mittelalter waren nur noch die Wälle und Gräben der befestigten Siedlung erhalten. Sie wurden zum Fangen von Wölfen verwendet, so entstand der Flurname ‘Wolfskehle‘. Inzwischen sind die Wälle mit Wald bewachsen und zum Stammsitz und Namensgeber der ‘Wilden Leute‘ der Narrenzunft Feuerbach geworden.

Die Narrenfigur ‘Wolfskehle‘ stellt einen ‘Wilden Mann‘ dar, eine Fastnachtsgestalt, die z. B. bei den Elzacher ‘Schuddig‘ (http://de.wikipedia.org/wiki/Narrenzunft_Elzach) anzutreffen ist.

In Anlehnung an diese tragen die ‘Wolfskehlen‘ einheitliche Narrenkleider, während die Masken trotz wiederkehrender Merkmale sehr individuelle Gesichtszüge zeigen. Neben den meisten Wolfskehlenmasken aus der Werkstatt des Feuerbacher Restaurators Moritz Paysan, stammen einzelne aus der Hand des Elzacher Maskenschnitzers Konrad Wernet sowie von Stefan Hauser aus Oberammergau.

 

Die kraftvollen Masken haben einem im Allgemeinen wohlwollenden bis freundlichen Gesichtsausdruck und Hörner auf der Stirn, als Hinweis auf das Gewann ‘Horn‘ in dem die keltische Höhensiedlung liegt. Mit Ausnahme der echten Widderhörner an der Maske des Gründers der Zunft (Moritz Paysan) sind die Hörner aus Holz geschnitzt.

Auf mittelalterlichen Darstellungen kann man ‘Wilde Leute‘ an ihrer zottige Behaarung und Keulen oder ausgerissenen Bäumen in den Händen erkennen (Lexikon der Christlichen Ikonographie 1968: S. 531). Wie man sich Wildmänner-Verkleidungen im 15 Jh. vorstellen kann zeigen Buchillustrationen der Stuttgarter (?) - Werkstatt Ludwig Henfflins von ca. 1475 (http://digi.ub.uni-heidelberg.de/cpg142/0247; http://digi.ub.uni-heidelberg.de/cpg142/0249; http://digi.ub.uni-heidelberg.de/cpg142/0250 http://digi.ub.uni-heidelberg.de/cpg142/0252 ) Auf ihnen wird dargestellt, wie die Hauptfigur der illustrierten Geschichte Pontus und seine Begleiter als Wildmänner verkleidet Zutritt zu einer Stadt verschaffen. Im Gegensatz zur Darstellung „natürlicher“ Wildmänner (http://digi.ub.uni-heidelberg.de/cpg67/0036 ff) nämlich barfuß, unbekleidet und vollständig behaart, tragen Pontus und seine Begleiter eng anliegende, mit grünen Blättern bedeckte Kostüme, mit schlanker gegürteter Taille, schwarzen Schnabelschuhen und Schellenriemen an den Oberarmen und unterhalb der Knie. Ihre grünen Masken tragen menschliche Züge und scheinen am Rand in geschnitztem Blattwerk zu enden (ähnlich wie die von Peter Sonder geschnitzten Masken der Fellbacher Weingeister, allerdings weniger freundlich als diese). Da die Handschriften der Uni-Heidelberg 1992 noch nicht im Internet zugänglich waren sehen unsere Häs ganz anders aus:

Auf den Wolfskehlen-Masken wird das Fell der Wilden Leute durch eine Hohlkehlen-Schnitzstruktur angedeutet, wie sie auch bei manchen Elzacher Bären-Masken das Fell darstellt. Richtig haarig wird es oberhalb der Maske wo ein Pferdeschweif befestigt ist, der über den Rücken herabfällt.

Das Narrenkleid gehört im weitesten Sinne zur Familie der Blätzles Häs. Die Idee der horizontal angeordneten Volants zur Darstellung von Fell hat ihr Vorbild im Häs der ‘Rälle‘ in Zwiefalten.

Im Unterschied zu dem in wechselnden Grautönen gehaltenen welligen Stoffstreifen des Rälle-Häs sind die roten und gelben Volants der ‘Wolfskehlen‘ in klar definierte Falten gelegt. Die Farbe des Häses hat zum einen ihren Ursprung in den klassischen Narrenfarben Rot und Gelb. Zum anderen nehmen die wechselnden Streifen auf die unterschiedlichen Mergelschichten Bezug, die in einem Steinbruch am Feuerbacher ‘Horn‘ zutage treten, daher wurden hier etwas erdigere Farbtöne gewählt.

In der Hand schwingen die Wolfskehlen einen Wedel, der auf der einen Seite als Pferdeschweif ausläuft und auf der anderen Seite in einem Fuchsschwanz endet. Mit dem Fuchsschwanz streichen die Wolfskehlen netten Menschen ums Kinn, während man sich mit dem Pferdeschweif gut freche Buben vom Hals halten kann. Eine Funktion die nur noch entfernt an die Keule als Attribut des „Wilden Mannes“ erinnert. Das Vorbild für die Wedel ist auch weniger im mittelalterlichen Europa zu suchen sondern kommt aus dem Kameruner Grasland, wo aufwändig geschnitzte Tanzwedel mit Pferdeschweif zur Ausstattung kraftvoller Maskengruppen gehören. Sie entwickelten sich in weiten Teilen Westafrikas von einfachen Fliegenwedeln zu reich verzierten Würdezeichen.

Im Sinne einer Narren-Marotte (Metzger 1991: S. 78) ist der Tanzwedel des Gründers der Zunft dem Namen der Gilde entsprechend mit einem Wolfskopf verziert. In ihm sind keltische und afrikanische Formen kombiniert:

Für die Gesamtform des Kopfes stand ein Tanzwedel der Bamileke aus Kamerun Pate, während die Ohren den Wölfen auf den keltischen Schnabelkannen von Basse-Yutz (Lothringen/Moselle) nachgebildet sind (Original im Britischen Museum, London).

Auch wenn die Einbeziehung afrikanischer Motive manchem traditionsbewußtem Fastnachter abwegig erscheint, lässt sie sich fastnachtsgeschichtlich begründen, wurden doch in den Nürnberger Schembartläufen bereits 1485 Mohrendarstellungen als Stellvertreter für nicht-christliche Kulturen gezeigt. (Metzger 1991: S.41-42)

 

Als Hinweis auf den keltischen Stammsitz der Gilde verschließen die Wolfskehlen ihren mit vier Rollen (kugelige Glocken) ausgestatteten, um den Bauch getragenen Gschellgurt mit einem nach keltischem Vorbild gefertigten Gürtelhaken. Das im 5. Jahrhundert v. Chr. hergestellte Original stammt aus Hölzelsau bei Kufstein und ist in der Archäologischen Staatssammlung München ausgestellt. Es zeigt eine von Pferden und Enten umgebene Menschengestalt, die als ‘Herr der Tiere‘ gedeutet wird (Abgebildet in: Parzinger 1993: S.32. In der Beschreibung werden die Tierköpfe allerdings nicht als Pferde sondern als Vögel gedeutet.)

Ein weiteres Klanginstrument am Häs des Bockes und der Wolfskehlen sind die aus tropischen-Lianenfrüchten gefertigten Rasseln an den Füßen. Sie erzeugen ein trockenes, hölzernes Geräusch im Rhythmus der Schritte, das dem Träger ein intensives Gefühl seiner Bewegungen vermittelt.

Wie die Tanzwedel haben sie ihr Vorbild in der Ausstattung Kameruner Maskengruppen.

 

Handschuhe und Stiefel (ohne sichtbare Markenzeichen) vervollständigen die Vermummung.

 

Verwendete Literatur:

Bittel, Kurt et. al
Die Kelten in Baden-Württemberg, Bittel, Kurt; Kimmig Wolfgang; Schiek, Siegwald (Hrsg.), Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, (1981): S. 479-481

Parzinger, Herrmann
Das keltische Jahrtausend, Ausstellungskataloge der Prähistorischen Staatssammlung München, Hermann Dannheimer; Gebhard Rupert (Hrsg.), Verlag Philipp von Zabern, Mainz am Rhein, Band 23 (1993): S.32.
Lexikon der Christlichen Ikonographie , Engelbert Kirschbaum SJ (Hrsg.), Herder Verlag; Rom Freiburg Basel Wien Band 1 (1968): S. 531
Mohr, Gerd Heinz
Lexikon der Symbole: Bilder und Zeichen der Christlichen Kunst, 2. Aufl. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf Köln (1972): S. 55-56).

Mezger, Werner
Narrenidee und Fastnachtsbrauch: Studien zum Fortleben des Mittelalters in der europäischen Festkultur, Konstanzer Bibliothek Band 15, Universitäts-Verlag Konstanz, Konstanz (1991): S. 41-42, 78,

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